

Am Dienstag, 28. Oktober 2025 erhält die renommierte Künstlerin Eva Beresin im Musensaal der Albertina in Wien den 10. Kunstpreis Ruth Baumgarte. Die Auszeichnung ist mit 20.000.- € dotiert und zählt zu den hochdotierten Ehrungen für Künstler*innen in Deutschland.
Zudem wird anlässlich der zehnten Preisverleihung erstmals ein Förderpreis in Höhe von 5.000 € vergeben. Er geht an die südafrikanische Künstlerin Zandile Tshabalala.
Eva Beresin, 1955 in Ungarn geboren und seit 1976 in Wien ansässig, hat ein unverwechselbares Œuvre geschaffen, das expressive Malerei mit psychologischer Tiefenschärfe verbindet. Humor und Ironie durchziehen ihre Arbeiten ebenso wie eine schonungslose Auseinandersetzung mit existenziellen Themen. In Öl und Acryl ausgeführt, zeugen ihre Gemälde vom Akt des Malens als Manifestation von Freiheit, Direktheit und Authentizität.
Ihre Bildwelten sind bevölkert von grotesken Hybriden – Wesen zwischen Mensch und Tier, deren Erscheinungen zugleich komisch, rätselhaft und unheimlich wirken. Zwischen Figuration und Abstraktion, Verbergen und Offenlegen entwickelt Beresin eine Bildsprache, die das Alltägliche und das Abgründige, das Surreale und das Fragmentarische in schillernde Verbindung bringt.
Immer wieder tritt das Alter Ego der Künstlerin auf – nackt, mit rotem Mund und roten Fingernägeln –, als singuläre Figur oder Teil komplexer Szenerien. Diese Selbstinszenierungen fungieren als Signatur und Projektionsfläche zugleich. Geprägt von biografischen Brüchen, insbesondere den familiären Verlusten im Holocaust, richtet Beresin ihren Blick auf das Verdrängte, Tabuisierte und Unbewusste. In ihren Werken werden Angst, Begehren und Verletzlichkeit zu bildnerischen Kräften, die das Menschliche in seiner ganzen Ambivalenz erfahrbar machen. Beresin gelingt eine seltene Balance: humorvolle Überzeichnung und groteske Zuspitzung verbinden sich mit der radikalen Offenlegung existenzieller Dimensionen.
Eva Beresin, Calm down, 2021, Öl auf Leinwand, 80 x 60 cm, Collection Beth Rudin De Woody
Seit 2003 regelmäßig in der Charim Galerie Wien vertreten, erlangte ihr Werk durch die Ausstellung Thick Air (Albertina Wien, 2024) große Beachtung. Bereits 2019 entdeckte der amerikanische Kurator Kenny Schachter ihre Arbeiten über Instagram und lud sie zur Teilnahme an der Felix Art Fair Los Angeles ein – ein entscheidender Schritt zu ihrer internationalen Anerkennung.

Eva Beresin, The Main Ingredients Bring It to Boil and Increase the Appetite, 2023, Öl und Acryl auf Leinwand, 220×290 cm, Private collection, Vienna
Statement der Jury
„Die malerisch-grafischen Welten der ungarischen Künstlerin Eva Beresin, die seit 1976 in Wien lebt und arbeitet, sind von hybriden Gestalten, grotesken Figuren und seltsam anmutenden Fantasiewesen bevölkert. Häufig stattet sie die Dargestellten, die sie in den letzten Jahren auch in Skulpturen übersetzt, mit animalischem Verhalten aus – und vice versa tragen viele Tiere menschliche Züge.
Die thematische Spannweite der Künstlerin, die das Existenzielle ebenso wie das Tragisch-Komische umfasst, reicht von mittelalterlich anmutenden Grausamkeiten über alltägliche Banalitäten bis hin zu humorvollen Episoden. Beresins Œuvre ist ein Universum, das mit Schalk und Schabernack zelebriert, aus den Fugen geraten zu sein. Momente des Nonsens fügen sich zu einer Apotheose des Randständigen. Das herausragende Werk vermählt das Fantastische mit dem Schrecklichen, das Schöne mit dem Horror.“ - Angela Stief, Direktorin der ALBERTINA Modern, Wien

Erstmalige Vergabe eines Förderpreises an Zandile Tshabalala
Anlässlich der zehnten Preisverleihung wird erstmals ein Förderpreis in Höhe von 5.000 € vergeben. Er geht an die südafrikanische Künstlerin Zandile Tshabalala.
Zandile Tshabalala, 1999 in Soweto geboren, zählt zu den markantesten Stimmen einer jungen südafrikanischen Malergeneration, die das Bild der Schwarzen Frau in der Kunstgeschichte selbstbewusst neu definiert. Nach ihrem Abschluss an der University of the Witwatersrand (2022) lebt und arbeitet sie in Johannesburg.

Ihre meist in Acryl ausgeführten Gemälde verbinden strenge Formensprache mit intensiver Farbigkeit. Im Zentrum steht die Schwarze Frau als autonomes Subjekt, nicht als Objekt des Blicks. Themen wie Trauma, Freude, Zeitlichkeit und Fürsorge verdichten sich in mehrschichtigen Porträts, in denen Momente der Ruhe als bewusster Gegenentwurf zu gesellschaftlichen Rollenerwartungen erscheinen.
Mit ihren „Traumlandschaften“ schafft Tshabalala Räume weiblicher Selbstbestimmung, in denen Schönheit und Sinnlichkeit eine politische Dimension gewinnen. In reflektiertem Dialog mit Künstler*innen wie Kerry James Marshall oder Mickalene Thomas entfaltet sie eine kraftvolle Bildsprache, die kulturelle Identität, modische Ausdrucksformen und ästhetische Selbstermächtigung untrennbar verbindet.
Internationale Aufmerksamkeit erlangte sie durch ihre Beteiligung an der Ausstellung When We See Us: A Century of Black Figuration in Painting (2022–23), deren offizielles Bildmotiv eines ihrer Werke war. Ihre Arbeiten waren seither unter anderem im Zeitz MOCAA Kapstadt, Kunstmuseum Basel, Hamburger Kunsthalle, Kunstmuseum Magdeburg und bei ADA Contemporary Accra zu sehen.
Zandile Tshabalala, Yellow Blossoms, 2024, Acryl auf Leinwand, 200 x 200cm, Foto: Sascha Herrmann
Statement von Alexander Baumgarte
Vorsitzender des Vorstandes der Kunststiftung Ruth Baumgarte
„Mit der erstmaligen Vergabe eines Förderpreises an Zandile Tshabalala setzen wir ein Zeichen für die Förderung einer bedeutenden künstlerischen Position, die – wie das Werk von Ruth Baumgarte – gesellschaftliche Verantwortung und künstlerische Freiheit auf besondere Weise vereint.
Tshabalala steht mit ihrer eindrucksvollen Malerei für eine neue Sicht auf Identität, Selbstbestimmung und Würde. Sie greift Themen auf, die Ruth Baumgarte Zeit ihres Lebens bewegten: die Stellung des Menschen in einer sich wandelnden Welt und die Kraft der Kunst, Empathie und Bewusstsein zu schaffen. Mit diesem Förderpreis möchten wir diese Haltung fortführen und international sichtbar machen.“

Zandile Tshabalala, Two Reclining Women, 2020, Acryl auf Leinwand, 91,6x 122cm, Maduna Collection, Foto: Kunstmuseum Basel


