Folge "Nichtsesshaft", 1986

Folge „Nichtsesshaft“, 1986
Kreide auf Papier, 57 x 43 cm

Die Themen Zukunftsängste und Utopie Afrika liegen im Werk von Ruth Baumgarte dicht nebeneinander. Als Ruth Baumgarte in den 1980er Jahren beginnt, den afrikanischen Kontinent öfter zu bereisen und die Ölfarbe in ihrem Werk neu zu entdecken, drängen sich ihr zur gleichen Zeit gesellschafts- und sozialpolitische Themen in Deutschland auf. Alarmiert durch Begegnungen mit Obdachlosen und eines Mannes, der in Eiseskälte nur mit einer Schulterdecke bekleidet ist, beginnt sie, an der mehrteiligen Folge Nichtsesshaft mit Männerdarstellungen in sozial angespannter Lage zu arbeiten.

Auf dem ockerfarbenen Blatt blickt uns ein Mann mit zerfurchten Gesichtszügen direkt in die Augen. Sein Kopf scheint fast in der großen Jacke zu versinken. Mit knochigen Händen umklammert er einen Becher. Vor ihm liegt eine aufgerissene Papiertüte mit belegten Broten. Seine sozial prekäre Lage hat die Zeichnerin mit wenigen künstlerischen Mittel skizziert: Sie spannt seine aufgestützten Arme ins Bildrechteck regelrecht ein und versetzt seine Körperhaltung in eine Schieflage. Für die Serie bevorzugt sie geschöpftes Papier, das im Hintergrund eine durchgängige, helle Gitterstruktur zeigt. So wird die ausweglose Situation des Mannes, der „Schieflage“ zu entkommen, subtil hervorgehoben.

Weitere Folgen der Werkserie

Folge Nichtsesshaft, 1986
Kreide auf Papier, 56,5 x 39,4 cm
Folge Nichtsesshaft, 1986
Kreide auf Papier, 64,3 x 59,5 cm
Folge Nichtsesshaft, 1986
Kreide auf Papier, 63 x 48,4 cm
Folge Nichtsesshaft, 1986
Kreide auf Papier, 57 x 42 cm
Folge Nichtsesshaft, 1986
Kreide auf Papier, 57,3 x 39,8 cm
Folge Nichtsesshaft, 1986
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