Portrait Margarethe Kellner-Conrady, 1946

Portrait Margarethe Kellner-Conrady, 1946
Gouache auf braunem Karton, 53 x 41 cm

Mit dem freiem Einsatz von Form und Farbe sowie leuchtenden Akzenten malt Ruth Baumgarte das Portrait ihrer Mutter Margarethe Kellner-Conrady (1899-1969). Das Inkarnat des Gesichtes setzt sich aus einer Farbpalette von Gelb, Rot, Blau, Grün und vielen Mischtönen zusammen. Nur der etwas strenge Mund, die Nasenlöcher, die Augen und die Augenbrauen haben eine wirklichkeitsnahe Formgebung. An einigen Stellen leuchtet das Braun des Bildträgers durch die Farbschicht. Kontrastierend zum Gesicht ist das leuchtende Blau des Kopfumhanges, der als bestimmendes Bildelement Kopf und Körper miteinander verbindet und der roten Schleife der hellen Bluse einen besonderen Akzent verleiht.

Das Portrait ist ein sehr persönliches Zeugnis für die Beziehung zwischen Mutter und Tochter. Margarethe Kellner-Conrady wird im Alter von 47 Jahren gezeigt. Der 2. Weltkrieg mit seinen Entbehrungen liegt gerade hinter ihr. Sie wirkt deutlich jünger. Sie hat ihrer Tochter häufig für Zeichnungen und Gemälde Modell gestanden.

Margarethe Kellner-Conrady war ausgebildete Schauspielerin und konnte diesen Beruf als alleinerziehende Mutter aus gesellschaftlichen Gründen nicht mehr ausüben. Sie arbeitete in den 1920er bis 40er Jahren als Sekretärin, um sich und das Kind durchzubringen. Zwischen beiden bestand eine enge emotionale Beziehung, die zeitweilig auch schwierig war. Nach dem 2. Weltkrieg zogen sie gemeinsam nach Bielefeld. Fortan sorgte die Tochter als Illustratorin für Bücher, Magazine und Zeitungen für den gemeinsamen Lebensunterhalt. Zeitweilig griff die Mutter in die Lebensentscheidungen ihrer Tochter ein.

Historische Fotografie

Fotografie von Ruth Baumgarte und Margarethe Kellner-Conrady in Bielefeld, 1946