©Herma Kennel: Als die Comics laufen lernten. Der Trickfilmpionier Wolfgang Kaskeline zwischen Werbekunst und Propaganda. be.bra Verlag
Berlin, 2020

Als die Comics laufen lernten. Der Trickfilmpionier Wolfgang Kaskeline zwischen Werbekunst und Propaganda (Auszüge)

Herma Kennel
Schriftstellerin und Malerin, Berlin

„Ich liebte das Genie von Wolfgang Kaskeline. Wie berühmt er war, wusste ich am Anfang im vollen Umfang nicht. Er war mysteriös, extravagant und ungemein, ungemein sympathisch. Er war ein Mensch, der ein Geheimnis hütete, und es verstand, Distanz zu halten." S. 5

Uta von Kardorff, geb. von Witzleben, Kommilitonin von Ruth Baumgarte und Mitarbeiterin bei Wolfgang Kaskeline

 

„Im Juni 1941 stellt sich eine 18-jährige Studentin als neue Zeichnerin bei ihm vor. Ruth Kellner, so ihr Name, studiert seit dem Sommersemester 1941 an der Staatlichen Hochschule für Bildende Künste in Berlin-Charlottenburg. Sie ist die Tochter der Schauspielerin Margarethe Kellner-Conrady. Ihr Vater Kurt Rupli ist Schauspieler, Regisseur, Drehbuchautor und Filmproduzent, unter anderem auch für die Ufa. Ruth Kellners Familienhintergrund imponiert Kaskeline und entspricht seinen Vorstellungen von einer idealen Voraussetzung für künstlerische Berufe. Und er wird nicht enttäuscht. Ruth Kellner arbeitet sich rasch ein, sie ist hochmotiviert, engagiert, zuverlässig und wird zu einer seiner wichtigsten Mitarbeiterinnen.“ S. 139

Nach massiven Repressalien der Epoche-Reklame-Gesellschaft gegen Wolfgang Kaskeline, reicht er trotz erfolgreicher Arbeit 1941 seine Kündigung ein. Im Gegenzug werden ihm Zugeständnisse gemacht.

„Wolfgang Kaskeline gibt nach und erklärt sich – in der Hoffnung auf eine bessere Zusammenarbeit – bereit zu bleiben. Er geht diesen Schritt auch, um seine Mitarbeiterinnen nicht zu verlieren, vor allem nicht eine seiner wichtigsten Zeichnerinnen: Ruth Kellner, die im Sommersemester wie auch jetzt im Wintersemester 1941/42 am der Staatlichen Hochschule für Bildende Künste studiert. Hier lernt sie ihren neun Jahre älteren Kommilitonen Eduard Busse kennen, den sie im August 1943 heiraten wird.“ S. 142

„Wolfgang Kaskeline ist auf die Mitarbeit von Edith Jacobi angewiesen. Ruth Kellner ist im Sommersemester 1943 zum Reichsarbeitsdienst nach Lauenburg in Pommern verpflichtet worden. Ein harter Schlag für Kaskeline, der vorübergehend auf eine seiner besten Zeichnerinnen verzichten muss. Mitte August 1943 kehrt Ruth Kellner nach Berlin zurück, wo sie am 17. August Eduard Busse heiratet. Bis zum Herbst muss sie zum Arbeitsdienst zurückkehren.“ S. 152

„Ruth Busse ist im Wintersemester 1943/1944 zurück in Berlin. Sie belegt Kurse an der Hochschule und arbeitet wieder regelmäßig in einem der Ateliers für Kaskeline.“ S. 154

„Ruth Bussen entscheidet sich [1944], in Sonneberg, Thüringen, an der Staatlichen Industrie- und Kunstgewerbeschule weiterzustudieren. Sie muss endgültig Abschied von Wolfgang Kaskeline nehmen.

Ruth Busse, als Gastschülerin an der Kunstgewerbeschule Sonneberg eingeschrieben, liebt ihren neuen Aufenthaltsort. In Sonneberg hatten sich einst ihre Eltern kennengelernt, ihr damals 22-jähriger Vater war Theaterdirektor, ihre Mutter hatte ein Engagement am Stadttheater. Doch die Kunstgewerbeschule Sonneberg wird mit Ende des Sommersemesters kriegsbedingt geschlossen. Nach einem kurzen Aufenthalt in Dresden kehrt Ruth Busse nach Berlin-Karlshorst zu ihrer Mutter zurück und bewirbt sich um eine Weiterführung ihres Studiums an der Kunsthochschule Dresden. Im Herbst erhält sie die Absage, weil „alle Kunsthochschulen bis auf weiteres geschlossen sind“.“ S. 164

„Für sein „Walzermärchen“ plant Wolfgang Kaskeline die Realisierung bis Ende 1944. (…) Um den Termin einzuhalten, beantragt Wolfgang Kaskeline, weitere Mitarbeiterinnen einzustellen. Der Weggang von Ruth Busse schmerzt ihn noch immer, sie zählte zu seinen begabtesten Zeichnerinnen.“ S. 166

 „Auch Ruth Baumgarte, zu einem „anderweitigen Kriegseinsatz“ verpflichtet, übersteht das Bombardement [auf Berlin am 3.2.1945] an ihrem neuen Arbeitsplatz, in einem Bunker im Regierungsviertel, wo sie mit ausgebildeten Kartographen Pläne anzufertigen hat. Nach der Entwarnung drängen die Schutzsuchenden mit Gasmasken nach draußen. Dort ist es nachtdunkel. Die öffentlichen Verkehrsmittel sind weitgehend zerstört. Ruth Busse muss mehr als neun Stunden durch die zerstörte Stadt laufen, um nach Karlshorst zu ihrer Mutter zu gelangen, die das Inferno ebenfalls heil überstanden hat." S. 175