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Herma Kennel verfasste einen Tatsachenroman über den berühmten Zeichentrickfilmer Wolfgang Kaskeline (1892-1973), in dessen Filmstudios Ruth Baumgarte Ende des Zweiten Weltkrieges aktiv mitarbeitete:

Anmerkung der Autorin:

"Gestern war ich mit der Schwiegertochter von Wolfgang Kaskeline, Jutta Kaskeline, verabredet. Sie war ab 1954 im Atelier Kaskeline als junge Zeichnerin tätig. Sie berichtete mir, dass W. Kaskeline den Weggang von Ruth Baumgarte so sehr bedauert hat, dass er über ihren Verlust geweint habe. So habe es Wolfgang Kaskeline seiner (späteren) Schwiegertochter in den 50-er Jahren berichtet."

 

Aus dem Roman:

Seit Kurzem dient Wolfgang Kaskeline zwei Auftraggebern: Für das Unternehmen Deutsche Zeichenfilm (DZF) entwirft er die Hauptphasen für den Film "Hänschen klein" und für die Epoche ist er trotz seiner Kündigungen, die von der Epoche nicht akzeptiert wurden, weiterhin tätig. Er schreibt Drehbücher, macht Entwürfe und komponiert die musikalische Begleitung der Filme. Er fühlt sich den Zeichnerinnen, die für ihn tätig sind, verantwortlich. Er versorgt sie mit Aufträgen und kontrolliert in regelmäßigen Abständen den Fortgang ihrer Arbeiten. Besonders schätzt er die zuverlässige und außergewöhnlich hochbegabte Zeichnerin Ruth Baumgarte. Sie ist seit 1941 Studentin an der Hochschule für Bildende Künste in Berlin, mehrfach ausgezeichnet, und nun regelmäßig im Atelier Kaskeline tätig. Wolfgang Kaskeline bleibt nur für eine kurze Zeit im Atelier der Blumenstraße, danach muss er zum Atelier der DZF fahren, um die Arbeiten an "Hänschen klein" fortzuführen. Seine häufige Abwesenheit wird von Dr. Henkel mit Missfallen registriert. (S. 165 f)

Für seinen Film "Walzermärchen" plant Wolfgang Kaskeline die Fertigstellung bis gegen Ende 1944. Karl Neumann, der stets um Erfolgsmeldungen bemüht ist, listet in einem Schreiben an Goebbels die Anzahl der fertigzustellenden Filme der DZF auf. Darunter nennt er auch "Walzermärchen". Um diesen Termin einzuhalten, beantragt Wolfgang Kaskeline, weitere Mitarbeiterinnen einzustellen, zudem hatten ihn einige Zeichnerinnen infolge der Kriegseinwirkungen verlassen müssen, so auch die beste und talentierteste unter ihnen, Ruth Baumgarte, deren Weggang er überaus bedauert hat. Im März 1944 war sie nach der Bombardierung und anschließenden Evakuierung der Hochschule für Bildende Künste nach Thüringen gegangen, um an der Staatlichen Industrie- und Kunstgewerbeschule Sonneberg weiter zu studieren. (S. 179)

 

 

Brief von Heinz Mack (2012)